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Matthis Kramkalender

ich lebe inmitten der großen stadt und es sind über 200 km zum meer und nachts wird es nie richtig dunkel und nirgends ist man allein...und trotzdem:



Verfasst am 05.01.2007 02:13:40 Uhr
perfekter start
krame in meinem alten moleskine. maulwurfspelzchen. fast schon hatte ich vergessen, dass sich unter der letzten seite ein fach befindet, das kaum sichtbar kleine schätze birgt. kleine schnipsel und zettelchen, die sich zwischen den seiten und knicken und falten verstecken. es ist nacht. ich zerre sie ans kleine licht, aus der dunkelheit und erinnerung.

auf einem das rühmann-zitat aus der feuerzangenbowle: „wahr sind nur die erinnerungen, die wir mit uns tragen, die träume, die wir spinnen und die sehnsüchte, die uns treiben. damit wollen wir uns bescheiden.“

auf einem anderen: „dem schriftsteller joachim ringelnatz wurde posthum ein bizarrer traum erfüllt: der gedichtband „sein berlin, joachim ringelnatz“ wurde mit jamaika rum gedruckt. Der duft, der dem buch entströmt, lasse keinen zweifel an dem hochprozentigen druck zu, sagte der herausgeber hans peter heinicke.“

das klingelschild meiner alten wohnung – alle drei namen darauf.

eine suchanzeige: „wer kennt diese frau?“ darunter ein foto. „hier an der seite des unteroffiziers erich kubein, gefallen am 25.8.1944 in schwerin. vielleicht anni baar, 1945 nach münchen verzogen. kontakt: telefon ...“.

eine liste aller berliner radiofrequenzen – antenne und kabel.

ein text von richard oehmann, in dem er über seinen „perfekter tag“ schreibt.

perfekter tag? kopfkratzen. grübeln.

hab am montag angefangen mein tagesgetue in den tischkalender einzutragen. 13 zeilen komprimiertes leben. jeden tag. am jahresende werde ich mein vergangenes lebensjahr lesen und küre meinen perfekten tag.

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Verfasst am 11.12.2006 00:32:47 Uhr
Rückmeldung
Nichts fällt mir ein, was es wert wäre, aufgeschrieben zu werden. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich von der Wahrheit der Aussage „Alles ist eitel.“ überzeugt. Ist das der Beginn der alljährlichen Winterdepression?
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Verfasst am 18.02.2006 10:11:15 Uhr
Relevante Maximen, die nie aus der Mode kommen (1)
An dieser Stelle sei doch bitte auf das ganz großartige Titanic-Magazin hingewiesen, ein Quell unerschöpflicher Freude und stetes Mittel bei schwermütiger Verstimmunng, aber auch Balsam gegen Weltüberdruss und ähnliche Kinkerlitzchen. So heute, an diesem unglaublichen Inswochenendstartmorgen: (Zitat:

- Benimm dich im "Subway"-Laden stets so, daß du dich, so du hinter dir selber stündest, nicht über deine ewig langen und hochumständlich vorgetragenen Bestellungen inkl. Generalinformationen betreffs Deiner Geschmacksvorlieben ärgern müßtest. Und laß dir auch nicht stundenlang die Soßen erklären, Arschloch.

- Schließe als Bewohner eines Mietshauses nicht immer um halb sieben Uhr abends Vordertür, Hoftür, Hausstür und Kellertür zwiefach ab, nur weil im Jahre 1976 einmal ein Drogensüchtiger eingebrochen ist, denn du hast Nachbarn, die das an ihre Oma erinnert, und die ist 90.

- Halte dich, so du an einem Wirtshaustisch in größerer Runde sitzt, mit lauten, allein dich selbst und deine Großtaten betreffenden Reden zurück, denn auch du bist nur eine Randfigur in einem schlechten Spiel und kannst also genausogut die Fresse halten.

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Verfasst am 17.02.2006 04:08:04 Uhr
Meine Armut kotzt mich an
Titelthema der aktuellen zitty:
"In dieser Stadt sieht man uns überall. Wir bevölkern die Cafés mit unseren Laptops. Wir betreiben kleine Läden, in denen wir vorne junge Mode oder minimale Möbel ausstellen. Wir sind hip, hoch qualifiziert, diffus kreativ und arm. Urbane Penner eben."

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Verfasst am 16.02.2006 14:50:19 Uhr
We can have a Gedankenverwirbelung right now.
Aber erstmal was anderes... auf der Dachbegrenzung vor meinem Wetterschaufenster sitzen zwei Tauben: Ringeltauben (Columba palumbus): „Der Gesang, dessen ersten leisen Ton man fast nicht hört, ist ein klagendes „ku-ku-ru-ku-ku“. Ein weicheres Gurren hören Sie während der Balz, bei der das Männchen sich mit aufgeplustertem Gefieder und fächerförmig ausgebreitetem Schwanz vor dem Weibchen verneigt.“ (Robert Burton; New Birdfeeder Handbook; Dorling Kindersley Limited, London, 2000). Wieder was gelernt und über die Ähnlichkeiten zum menschlichen Verhalten gelächelt.

Jetzt der Aufruf zum kollektiven Gedankenversammeln. Gedankenverwirbeln:
Wie kann man sich kostenlos, ohne großen finanziellen Aufwand, aber wohl mit einer ordentlichen Portion Dreistigkeit durch das alltägliche Leben schlagen? Vorschläge?
Stelle mir etwas vor, wie: sich auf Vernissagen durchs Büfett fräsen. Rotwein trinken. Mit „klugen“ Bemerkungen zahlen. Auf Privatpartys, deren Gastgeber man bestenfalls ein bisschen kennt, ein Bierchen trinken. Nebenbei seine Wäsche waschen. Den Uni- und Bibliothekenbesuch mit dem Stehlen von Toilettenpapier verbinden. Im Café Leitungswasser bestellen. Alle Zuckerstreuer in ein mitgebrachtes Behältnis leeren. Andere Ideen? Danke.

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